ERTMS-2026-Konferenz in Valenciennes

Die von der Eisenbahnagentur der Europäischen Union (ERA) organisierte ERTMS-2026-Konferenz fand vom 21. bis 23. April 2026 in Valenciennes, Frankreich, statt. Die Veranstaltung brachte Hunderte von Experten aus ganz Europa zusammen, darunter Vertreter der Europäischen Kommission und nationaler Sicherheitsbehörden sowie Infrastrukturbetreiber, Verkehrsunternehmen und Technologieunternehmen. VUZ wurde durch die Kollegen Jan Lukšík und Milan Slivka vertreten.

Was ist ERTMS und wie ist der Stand der Umsetzung in Europa?

ERTMS (European Rail Traffic Management System) ist ein zentrales europäisches Projekt, das darauf abzielt, die Eisenbahnsicherheit zu harmonisieren und einen nahtlosen grenzüberschreitenden Zugverkehr ohne technische Hindernisse zu ermöglichen. Kernstück ist das ETCS-System, das schrittweise mehr als zwanzig verschiedene nationale Sicherheitssysteme ersetzen soll. Bis Ende 2024 war ETCS auf etwa 10 % des TEN-V-Netzes und auf rund 19 % des rollenden Materials der EU im Einsatz.

Warum die Einführung von ETCS langsamer und teurer ist als erwartet

Die Kernaussage der diesjährigen Konferenz war eindeutig. Europa verfügt zwar über eine klare Strategie, doch die Einführung von ERTMS verläuft langsamer als nötig. Die Diskussion verlagerte sich von der Vision hin zu praktischen Hindernissen. Die Hauptprobleme sind hohe Kosten, komplexe Genehmigungsverfahren und anhaltende Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Allein der Genehmigungsprozess kann bis zu einem Drittel der gesamten Einführungskosten ausmachen, und die Preise für Bordgeräte haben sich zwischen 2018 und 2022 verdoppelt.

Ein weiteres häufig genanntes Problem sind die häufigen Änderungen an den technischen Vorschriften (TSI), die die Projektplanung erschweren und die Systemimplementierung verteuern. Paradoxerweise sind die Länder, die bei der Einführung vorne liegen, im Nachteil – sie müssen ständig auf Aktualisierungen der Spezifikationen reagieren. Zu den vorgeschlagenen Lösungen gehören das Einfrieren von TSI-Versionen für einen bestimmten Zeitraum oder die Festlegung eines klaren, vorhersehbaren Zeitplans für Änderungen. Darüber hinaus kommt es trotz formaler Kompatibilität immer noch zu Situationen, in denen Züge nicht nahtlos Grenzen überqueren können, obwohl sowohl die Fahrzeuge als auch die Gleise zertifiziert sind. Dies verdeutlicht anschaulich, wie weit die Branche von einer echten Interoperabilität entfernt ist.

FRMCS ist die Zukunft der Eisenbahnkommunikation nach GSM-R

Das künftige FRMCS-Kommunikationssystem, der Nachfolger von GSM-R, war ein Thema für sich. Seine Einführung hat sich wiederholt verzögert; als vorläufiger Termin für die Fertigstellung der TSI für FRMCS wurde das Jahr 2028 vorgeschlagen, und der Übergang wird ein langfristiges Nebeneinander beider Technologien erfordern, was die Kosten und die Komplexität des gesamten Prozesses weiter erhöht. Auch die Möglichkeit, öffentliche Mobilfunkbetreiber zu nutzen, wurde diskutiert; diese Option wirft jedoch berechtigte Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit und der Betriebssicherheit auf.

Cybersicherheit von Eisenbahnsystemen: neue Standards in Arbeit

Cybersicherheit war ein übergreifendes Thema der Konferenz. Heute geht jeder Infrastrukturbetreiber auf seine eigene Weise damit um, und es gab laute Forderungen nach einem einheitlichen Ansatz. Konkret wird derzeit an den Standards EURLINX BL4 R2 und UNISIG Subset 146 gearbeitet. Cybersicherheit ist noch nicht Teil der TSI, doch das soll sich ändern.

Die Digitalisierung der ETCS-Zulassungsverfahren und ihre Bedeutung für NoBo und ERA

Nach Ansicht der Teilnehmer liegt die Lösung für die meisten der identifizierten Probleme in einer stärkeren Standardisierung, Digitalisierung und besseren europaweiten Koordinierung. Im Bereich der Zulassung wird derzeit daran gearbeitet, die Dokumentation aus OSS, ERATV und anderen Systemen zu digitalisieren, damit sie in einem interoperablen, maschinenlesbaren Format vorliegt und automatische Prüfungen ermöglicht. Der ERA-Standard 1209-347 wurde ebenfalls als Plattform für groß angelegte Fahrzeugnachrüstungen diskutiert. Langfristiges Ziel ist die Schaffung eines einheitlichen Eisenbahnraums, SERA (Simplified European Railway), mit maximal harmonisierten technischen und betrieblichen Vorschriften.

ETCS in der Tschechischen Republik: Platz 4 unter den EU-Ländern

Für VUZ sind insbesondere zwei Bereiche der Konferenz von zentraler Bedeutung: die Weiterentwicklung der Digitalisierung von Zulassungsprozessen, einschließlich einer Diskussion über die Rolle der benannten Stellen (NoBo) bei der Zulassung von fahrzeugseitigen CCS-Teilsystemen, sowie neue Cybersicherheitsstandards und deren Auswirkungen auf die Systemarchitektur. Die gute Nachricht ist, dass die Tschechische Republik bei der ETCS-Implementierung zu den fortschrittlichsten Ländern Europas zählt und unter den Mitgliedstaaten den 4. Platz einnimmt. Dieses Ergebnis spiegelt die langjährigen Bemühungen der gesamten Branche wider.

Die Präsentationen der Konferenz sind auf der ERA-Website frei verfügbar: era.europa.eu